Bericht von der Lauf-Cup Speicher 2021

Eine Analyse der Typen von Läufer und Läuferinnen

Es ist wieder so weit, der Lauf Cup startet wie jedes Jahr im Oktober in Speicher im Appenzellerland. Und sie kommen, die Läuferinnen und Läufer, und zwar jede Art und Gattung. Zum Beispiel der Vergessliche, der nach einem Kilometer seinem Kollegen mitteilt, dass er vergessen habe seine Socken hochzuziehen und drum am Wegrand nochmals anhalten musste. «Ha no müese d Söcke ufezie, weisch!» Ein Satz den ich bis jetzt noch nie an einem Lauf gehört habe. Sonst geht es mehr um vergessene Startnummern, Badges oder das Duschmittel. Die beiden letzteren Utensilien brauchte man bei diesem Lauf jedoch nicht. Duschen gibt es keine – wegen Corona (jaja, wir wissen es langsam, na und?) – und den Badge brauchte man auch nicht, da bei diesem Lauf Cup ein Chip in der Startnummer drin ist. Sehr bequem, nun muss man auf den letzten 200 Metern nicht mehr unter dem T-Shirt auf Suche nach dem Badge gehen und kann volle Kanne ins Ziel rennen. Apropos volle Kanne: Bossis Spezialtee gab es Coronabedingt auch nicht! Das geht doch nicht, denn damit konnte man sich über das fehlende Kuchenbuffet hinwegtrösten.

Unter den Läuferinnen und Läufertypen ist auch der Besserwisser dabei. Er weiss alles und klärt weise darüber auf, dass der Wurzelweg bald aufhört und es dann bald aufwärts geht, auf einem Kiesweg. Danke! Wir sind alle das erste Mal hier! Und dann kommt zu den vielen Typen noch der Taktiker. Er läuft diesen Lauf langsam, schliesslich will er ein gutes Handicap haben. Kurz vor dem ersten steilen Aufstieg begegnet man dem Ehrgeizigen. Er läuft in der Mitte des engen Weges und wenn man überholen will, dann weicht er je nach dem nach links oder rechts aus. Oder schlägt mit dem Ellbogen aus. Überholen geht auf jeden Fall erst bergauf, da gibt er nämlich den Geist auf und der Ehrgeiz steckt er sich vorübergehen an den Hut. Dafür kommt dann die Berggeis zum Zuge. Sie überholt aufwärts und wird grosszügig überholt, wenn es danach wieder abwärts geht. Wir sind schliesslich im Appenzellerland, da geht es immer auf- und abwärts. Und mit der Berggeis läuft der Plauderer mit. Er unterhält sich über das schöne Wetter, will die Qualitäten und Tücken der Strecke genauer wissen und wenn man schon am Plaudern ist, dann kann man auch grad die ganze Läuferkarriere erzählen und es war doch eine Hammer-Party vor zwei Wochen. Plauder und Plauderinnen gibt es auf der ganzen Strecke, sie unterhalten den Rest, wenn es zäh wird und muntern auf. Auf verteilt über die ganze Strecke sind auch die Tiefstapler und Tiefstaplerinnen unterwegs. «Ich gehe es heute langsam an.» oder «Heute bin ich nicht fit, das wird nichts mit einer Spitzenzeit!» Natürlich wird es was, warum überholst du mich denn jetzt so schamlos, obwohl ich schon ans Aufgeben denke? Nahe dran an den Tiefstapler sind die Mutmacher, vielleicht sind sie ja beides. «Heja, super! Weiter so!» heisst es beim Überholen und irgendwie glaubt man es und macht weiter. Wer auch bei diesem Lauf nicht fehlt ist der Verletzte. «Es zwackt mich einfach im Bein/Hintern/Oberschenkel/…», jammert er und erzählt, wie es zu dieser Verletzung gekommen ist. Und dass er nächste Woche einen Marathon hat und jetzt mal schaut, ob es geht. Und sonst geht er dann nicht. (Jaja, du ruhigster Ehemann der Welt. Wir glauben dir das. Schliesslich bist du jetzt so vernünftig und bist an diesen Lauf gekommen, um zu schauen, ob es geht – mit Verletzung). Kurz vor dem Schnuggenbock gesellt sich eine weitere Läuferart dazu. Der Hechler. Er hängt sich beim ersten Aufstieg an die Fersen, überholt nicht und hechelt so laut, dass man nicht so recht weiss, ob man sich nun aufregen soll oder dem armen Kerl Hilfe anbieten muss. Weiter gibt es dann noch den Pragmatiker, ein Tischi und eine Hose reicht, egal wie alt (und wie durchsichtig!) und die Ausgeschmückte, neueste Laufuhr, Tischi passt zur Laufhose, neue Schuhe, extra für diesen Lauf, Laufband, Stirnband, alles sitzt perfekt und sie duftet wie eine Blumenwiese nach einem feinen Sportwaschmittel.

Nach dem Schnuggenbock ist der Lauf praktisch geschafft. Die Aussicht haben alle genossen, der frischverschneite Säntis konnte bestaunt werden, der Geniesser und die Geniesserin ist nämlich das letzte Stück spaziert, man muss ja nicht immer laufen. Und auf der Zielstrecke kommt nochmals ein anderer Läufertyp zum Vorschein: Das Kamel. Sobald es den Stall (oder das Ziel) riecht, gibt es Gas und überholt nochmals. Im Ziel teilt die Berggeis tüchtig aus. Taktiker? Da ist doch eigentlich der Schummler. Die Tiefstapler werden mit bösem Blick und einem giftigen Kommentar beglückt, der Skeptiker (Hesch d Hendsche jetzt bruucht?») wird in den Senkel gestellt und dann wird noch laut gemault, weil Bossis Tee fehlt. Sie kann nicht anders, die Geis ist eine waschechte Appenzeller Ziege mit Heimvorteil. Man findet sie bei den meisten Lauf Cups. Sie ist weiss, gehört zur Hornlosen Rasse, etwas rezent aber im Herz gutmütig und schnell zu zähmen.

Schön wars, der erste Lauf Cup im Appenzellerland. Das findet nicht nur die Ziege.

Bericht vom 5. Herderner Lauf

Samstag 18. Sepember 2021

Der Herdernlauf – oder was man sich aufs Alter vornehmen sollte 

Die Berichterstatterin des LSV scheint aus dem Club ausgetreten zu sein – so könnte man denken. Denn kaum ein Bericht erschien in letzter Zeit und das obwohl wieder Läufe stattfinden. Nein, ausgetreten nicht, aber dauernd tanzt sie auf fremden Hochzeiten. Es ist also höchste Zeit für einen Bericht und der Herdern Lauf ist gerade um die Ecke (und ein paar Höhenmeter weiter oben!), da bietet es sich ja wirklich an. Selber schuld, wenn man am Abend vorher noch mit dem Greifenseelauf fremd geht. Jetzt ist einfach wieder mal so ein Vereinslauf dran und das mit einem Bericht. Punkt. Um zwölf Uhr schwingt man sich so mit schweren Beinen aufs Velo und strampelt den Hügel nach Herdern hoch. Das wird nix mit einem Podestplatz, die Beine sind schwer! Aber umso besser. Man zieht sich also die Triathlon Velohose an, da muss man nicht umziehen, einfach ein frisches Tischi und dann nach dem Läufli grad wieder heim und das Prichtli schreiben. Über diese Fehlüberlegung und die schlechte Kleiderwahl dann später im Bericht. 

Zahlreich sind sie erschienen die Mitglieder des LSV Frauenfeld. So zahlreich, dass es bei der Siegerehrung zwei Stunden später sogar noch einen Preis gibt für den Verein. Ganze 17 Mitglieder haben am Herdern Lauf teilgenommen. Nach der langen Zeit in der nun wegen der Pandemie keine Wettkämpfe stattgefunden habe geniessen wir es alle noch etwas zusammen zu sein und zu plaudern. Es ist fast ein wenig wie früher, es mach einem wehmütig. Es ist so lange her, dass manm sich schon richtig daran gewöhnt, nicht die Hände zu geben und man fühlt sich irgendwie nackt ohne Maske. Apropos Maske, das gehört mittlerweile ja auch einfach zur Ausrüstung. Im Auto liegt immer eine rum, in der Handtasche findet man eine verwurstelte Maske, in der LSV Jacke ist auch noch eine, x-Mal gefaltet und wahrscheinlich schon durch mehrere Waschgänge durch gegangen und wieder getrocknet, und im Laufrucksack ist auch immer eine Reservermaske drin. Schon komisch, wie man sich daran gewöhnt. Auch ans nicht-duschen gewöhnt man sich, dann zieht man halt einfach ein frisches T-Shirt an und richtet sich die Haare notdürftig wieder einigermassen ein. (Wiederum genauere Infos dazu später im Bericht).  

Um viertel vor eins starten die Waffenläufer, um ein Uhr ist bereits der Volkslauf dran. Die Strecke ist anders als letztes Mal und führt zuerst 500 Meter durchs Dorf. Ein LSV Mitglied ist sehr verwirrt. «Wir starten doch sicher in die falsche Richtung – alle!» Zum Glück haben wir letzten Mittwoch die Strecke schon einmal abgerannt, auch wenn die einen den Weg trotz der Pfeile nicht gefunden hätten. «Heute ist die Chance, dass ihr den Weg findet grösser, ihr könnt nicht mehr so viel quatschen auf dem Weg», meint einer trocken. Nein, quatschen tun wir nicht, es ist recht warm für so einen Tag im frühen Herbst. Aber den Weg finden wir nicht deswegen so gut, sondern weil man einfach den anderen nachlaufen kann. Auf jeden Fall geht es der Berichterstatterin so. Sie fällt sofort zurück, den Greifenseelauf in den Beinen und ein Appenzellerbiberli im Bauch. Super, das muss ich mir abverdienen! Ach, dieser Coronaspeck, ach, das Alter. Vor zwei Jahren war ich noch so viel leichter, so viel schneller! Warum, warum nur….Die ersten zwei Kilometer sind harzig, dann bessert es langsam. Die Strecke ist super und die Aussiecht über das Thurtal und die dahinter liegenden Bergen wunderschön. Was für ein herrlicher Herbsttag. Und wie schön, dass wir wieder miteinander laufen können. Vor mir laufen zwei junge Frauen vom LC Frauenfeld. Die sind sicher erst so 12 oder 13 Jahre alt. Schlank und rank mit wippenden blonden Pferdeschwänzen joggen sie leichtfüssig dahin und plaudern. Wie herzig und wie cool, dass diese zwei jungen Frauen auf diesen Lauf gehen. Mit was habe ich eigentlich meine Teenager Zeit verbracht? Mit sich sorgen, ob man dazu gehört und nicht zu dick ist. Was für eine elende Zeitverschwendung! Habe ich damit je einmal aufgehört? Nein, seit über 30 Jahren schon überlege ich mir nun, ob ich zu schwer bin, anstatt so glücklich wie diese Mädels dahin zu joggen. Gerade vorher war doch dieses Gejammer wegen dem Coronaspeck. Wäre es nicht einmal Zeit damit aufzuhören? Ich laufe hier an einem wunderschönen Herbsttag mir Kolleginnen und Kollegen an einem Laufevent in meiner Heimat. Vorhin hat es wunderbar nach Bratwurst geduftet und das einzige was ich mir überlegt habe, ob das nun drin liegt nach den 10 km oder nicht. Ich hole mir nachher sowas von einer Wurst! Schluss mit diesem Gejammer, ich höre damit auf, ab jetzt! Ich überhole die zwei Mädels, werfe noch einen Blick zurück und bin nahe daran, ihnen für diese Erleuchtung zu danken.  

Es geht nach 5 km nochmals wacker den Hügel hinauf. (Ich muss ein Stück gehen). Was solls, Hauptsache mitgemacht, Hauptsache es gibt wieder mal einen Bericht. Im Ziel wieder freudiges Beisammensein mit den anderen LSV Mitgliedern, das Viva Coci schmeckt super! Jetzt das trockene T-shirt anziehen und heim zum Mittagsschlaf, der schon zu lange warten musste. Und dann plötzlich der Satz des besten Ehemannes: «Du bisch im Fall Dritti!» Au nei, jetzt muss ich so aufs Podest? Die Präsidentin lacht. «Tja, solche Probleme bleiben mir halt erspart!» Warum habe ich mir nicht wenigstens noch trockene Hosen eingepackt. Und einen Kamm. Nun geht es mit rotem Näggel, nass-geschwitzen Velohosen und stinkig aufs Podest! Aber was habe ich mir vorgenommen? Aufhören sich immer wieder zu fragen, ob man dazu gehört und nicht zu dick – oder in meinem Fall – zu stinkig ist. Deswegen gibt es nun halt eine Bratwurst und was Gutes zu trinken. Und nach und nach treffen die anderen Mitglieder des LSV am Tisch ein, frisch geduscht, gepudert und gekämmt, bereit fürs Podest. Tüchtig abgesahnt hat der LSV Frauenfeld!  

Es ist wirklich zurück, das gesellige Zusammensein am Tisch nach einem Lauf, mit Bier und Kuchen und Wurst, alle wundern sich wer welchen Platz belegt hat und welche Zeit man gerannt ist. Handys werden herumgereicht, Witze gerissen. Die Berichterstatterin schreibt in Gedanken mit. Tief drinnen der Wunsch, dass wir bald in die Normalität zurückfinden, die Diskussionen über Zertifikatspflicht, Impfen und anderes rund um die Pandemie in weiter Ferne liegen. Es hat einem so gefehlt, dieses Zusammensein. Wie lange es her, als wir unter Gelächter nach einem Lauf am Tisch einen Osterhasen geschlachtet und die Stücke verteilt haben, es macht einem wehmütig. Hoffentlich ist bald alles vorbei und wir sind wieder oft so zusammen. An einem Tisch mit Plastiktischtuch, Bier und die Pfunde, die man während der Zeit auf dem Sofa nun als Isolation angefressen hat, das stört uns auch nicht. Wir sind zwar älter geworden, aber wir sind Läuferinnen und Läufer und geniessen es, an so einem Tag um die Wetter zu laufen. 

Ranglisten – Volkslauf 2021 – Herderner Lauf

Bericht vom Ironman 70.3 Rapperswil-Jona 2021

Registrierung im Regen

Drei Mal wurde der Ironman 70.3 nun schon Corona bedingt verschoben. Drei Mal waren wir sogar froh darum, denn das Wetter war an drei Tagen einfach schrecklich. Der vierte Versuch wurde auf den 8. August 2021 angesetzt – da wird es ja sicher schön warm sein, der See und das Wetter. Haha! Auf jeden Fall haben wir drei vom LSV, Thomas, Yvonne und meine Wenigkeit, das Wetter mit Besorgnis studiert und als wir uns am Samstag vor der Arena in Rapperswil treffen schifft es, was es nur so kann. Wir müssen uns registrieren: Corona Check, Lizenz zeigen, einen Waver unterschreiben. (Wollen sie sich für den Slot für den Ironman New Zealand qualifizieren? Nochmals haha: Ich will eigentlich nur über die Ziellinie laufen bevor der Besenwagen kommt!) Ausgerüstet mit drei verschiedenen Plastiksäcken, der Badekappe, Nummernkleber geht es dann zum Check-in. Immer noch regnet es in Strömen, ich muss mein liebes Velo für die Nacht in der Wechselzone lassen – schluchz – und das bei dem Wetter! Die Säcke werden gut verschnürt mit allen Velo- und Laufsachen, die bleiben beim Velo. Alles organisieren kann ich es ja dann noch morgen vor dem Start. (Was ich dann natürlich nicht mache, weil ich kalt habe!) 

Übernachtung in Rapperswil

Wir drei übernachten in Rapperswil in einem Hotel. Es ist ein sehr schickes Hotel und nicht so vorbereitet für drei puddelnasse Triathleten/Triathletinnen, die Hunger haben und morgens um sechs Uhr einen Kaffee und ein Honigbrötli wollen. Der Kellner fragt sich wohl, was das soll, als wir bereits nach Dreiviertelstunden, schon wieder das Bedürfnis nach Bewegung haben und noch einen Spaziergang draussen machen. Die Abendsonne zwängt sich durch die Wolken, taucht Rapperswil und den See in ein magisches Licht. Und just dann erscheint ein riesiger, wunderschöner Regenbogen über Rapperswil und das Ende des Bogens, dort wo das Gold begraben sein soll, beleuchtet den Schwimmstart mit den Bojen. Das ist sicher ein gutes Zeichen. 

Regenbogen über der Strecke

Mästen vor dem Schlachten

Wir gehen zeitig ins Bett und schlafen natürlich sehr schlecht. Nervös sitzen wir morgens um sieben Uhr wieder im Restaurant und die Köchin, eine richtige serbische Mama macht sich Sorgen, weil wir ihrer Meinung nicht richtig essen. «Ich mache Rührei! Nehmen sie Früchte, und Müsli! Ich kann Omelett machen!» nötigt sie uns und die Vorstellung, wie ich mit einem warmen Rührei im Magen nach Goldigen hochstrample bringt mich schon zum Würgen! Wir halten es nicht lange aus und machen uns auf den Weg. Schon aus Angst, die serbische Mama kommt mit und sorgt persönlich dafür, dass wir noch anständig essen. 

Eisberg in Sicht

Es ist bedeckt, der See sieht eiskalt aus und ist es auch. 16.5 Grad! Ich erfriere! Die Nervosität und das kühle Wetter lassen mich zittern, sogar als ich im Neopren bereitstehe.  Daniela Ryff rennt bereits mit dem Velo aus der Wechselzone. Wir «Age-Grouper» verfolgen sie mit neidischen Blicken. Ist die schnell! Aber ein bisschen stolz sind wir auch auf uns selber, denn wir machen Triathlon neben unserem Beruf und der Familie. Genug blöd angeschaut werden wir dafür, wenn wir das Mittagessen sausen lassen, um noch ein Läufli oder Schwümmli reinzuquetschen oder anstatt mit dem Auto mit dem Rennvelo zum Teamanlass kommen und das Röckli über die Velohosen anziehen. Und unsere Duftnote ist nicht Chanel, sondern Chlor Nr. 1.

Warten auf den Henker

Mir ist es ist mir einfach zu kalt, ich mache mir ernsthafte Sorgen (Thomas auch, aber er sagt nichts.) Normalerweise starte ich unter solchen Bedingungen gar nicht, aber der Ironman ist einfach zu teuer, um zu klemmen, ausserdem haben Yvonne und ich so lange trainiert und ich stolziere jetzt dann schon ein halbes Jahr mit einem Rucksack herum, den ich mir noch nicht verdient habe. Thomas und Yvonne starten vor mir. Eine letzte Umarmung, gute Wünsche und meine Triathlon Freundin und Ehemann verschwinden mit ihren blauen Badekappen montiert in der Arena zum Schwimmstart. Ich stehe verloren inmitten von fremden Triathletinnen und Triathleten. Ich chatte mit meinem Cousin in Kanada und klage ihm mein Elend. Er tröstet mich. Der hat gut Reden, in Kanada leiden sie gerade unter eine Hitzewelle. Mein Start ist um 9:22. Ich sterbe vor Angst und habe bereits zu kalt – Super! Links und rechts von mir wird aber auch gejammert. Eine junge Frau zeigt mir ihre blauen Fingernägel, passend zum Dress. Ich habe meine auch lackiert – passend zum Dress. Violett. Zum Glück nicht blau, dann würde ich definitiv aussehen wie eine Wasserleiche – würde ja passen bei den Temperaturen!

1.9 km Schwimmen

Und dann geht es plötzlich schnell. Im vier Sekundentakt wird gestartet, ich bin um 9:31 dran. Rein in den See – es verschlägt mir fast den Atem, so kalt ist es. War es das? Ich fühle mich in der Gruppe jedoch wohl, endlich werde ich nicht immer von Schwimmern und Schwimmerinnen überholt und so überstehe ich den Schwumm erstaunlich gut. Bereits frierend erreiche ich das Ufer, die Helfer ziehen mich aus dem Wasser und mir wird bewusst wie kalt ich wirklich habe.

Transition 1

Ich kriege den Neo kaum auf, meine Hände scheinen eingefroren zu sein. Mit Mühe ziehe ich den Reisverschluss runter, schäle mich aus dem Teil und trockne mich ab. Weiss der Geier warum, denn es beginnt nun tatsächlich auch noch zu regnen. Ich friere und schaffe es nur langsam ein trockenes Oberteil und die Ärmlinge anzuziehen. Ganze acht Minuten verstreichen in der Wechselzone, weil ich vor Kälte nur so schlottere und mich kaum bewegen kann.

90 km Velofahren

Endlich bin ich auf dem Velo und strample los, es regnet und ich bin sofort wieder nass, es tropft unangenehm vom Helm runter, warm kriege ich natürlich nicht. Das Bild von Daniela Ryff, die einmal einen Ironman abgebrochen hat, weil sie unterkühlt war, schwebt mir im Hinterkopf herum. Bei Schmerikon steht Sandra am Rand und macht mir Mut. Sie weiss, wie es ist, wenn man dauernd friert. «Jetzt gits denn schön warm, jetzt gots ufe!» Es tut mir tatsächlich gut nach Goldingen hinaufzustrampeln, endlich taue ich etwas auf und der Regen hört auf. Jetzt kommt sicher bald die Sonne, zum Glück habe ich Sonnencreme eingestrichen. Als ich Goldingen erreiche und mich auf die Abfahrt freue, wird meine Hoffnung wieder zerschlagen. Es beginnt wieder zu regnen, die Strassen sind nass und zur Kälte kommt nun auch noch die Angst, ich könnte mit dem Velo stützen. Wenn dort nicht Evelyn gestanden und hätte mich lauthals angefeuert, ich hätte das Velo wohl an den Strassenrand gestellt und meinen Bruder angerufen, er soll mich abholen! Langsam fahre ich wieder runter. Nix mit in den Aerobars liegen und im Triathlon Style runter brechern! Auf der Strasse nach Rapperswil kommt mir Yvonne entgegen. Den Blick eisern nach vorne gerichtet, verbissen, patschnass und nur im Triathlon Dress, die Arme! Sie sieht schnell aus! Hoffentlich sehen wir uns an der Ziellinie, hoffentlich erfriere ich nicht vorher. Der Regen hört erst auf, als ich wieder in Schmerikon das zweite Mal den Anstieg nach Goldingen unter die Räder nehme. Ich bin durchnässt, habe immer noch schrecklich kalt und meine Füsse spüre ich schon lange nicht mehr. Ich tue mir unendlich leid! Immerhin habe ich keine Angst mehr, es ist mir sowas von egal, ich will nur noch zurück nach Rappi, so schnell es geht! Das viele Trainieren auf dem Velo hat doch was gebracht, ich bin längst nicht mehr so ein «Gstäbi» auf dem Velo wie ich gedacht habe. Ich trete in die Pedalen und rase hinunter, es spritzt und es kommt tatsächlich noch etwas von dem Triathlon Gefühl auf, der Wind dröhnt mir in die Ohren. Und alles tut mir weh vor Kälte. Kurz überlege ich mir, ob ich bei der Eschenbach Station bei den Samaritern vorbei soll, weil ich mir langsam Sorgen um den Zustand meiner Füsse mache, aber die würden wohl nur noch den Tod meiner Treter feststellen, mich womöglich nicht mehr weiterfahren lassen und so gibt es für mich nur noch eins: Zurück zur Wechselzone, Velo parkieren so schnell es geht! Mein Velo kann das, es ist so ein tolles Velo – ich kann das. Nach Eschenbach werde ich zuversichtlich, denn das Schlimmste ist vorbei. In voller Fahrt schnappe ich mir so eine Banane, schäle sie, stopfe sie mir fast in einem Stück in den Mund und pfeffere die Schale immer noch in voller Fahrt in die Abfallzone, wer hätte gedacht, dass ich das hinkriege, die sonst zum Trinken anhalten muss, weil sie die Flasche nicht aus der Halterung bringt. Ich überhole was ich kann, trete und komme völlig verfroren, mit schmerzendem Hintern in Rapperswil an. Ich bin so unendlich froh, ich könnte heulen! 

Transition 2

Wiederum vergehen lange fünf Minuten, bis ich mich fürs Laufen umgezogen habe, ich habe klamme Finger und eingefrorene Füsse, es fühlt sich an, als wäre ich im Bikini in eine Lawine gekommen, alles tut weh vor Kälte. Etwas essen sollte ich auch noch, und ich muss pinkeln, aber ich kriege die Velohose weder runter, geschweige wieder rauf! Also lassen wir das und gehen auf die Laufstrecke. 

20.1 km rennen

Und dann ist alles gut. Es regnet nicht mehr und ich mache das, was ich am besten kann. Ich laufe! Die Füsse tauen auf, ich fühle mich unglaublich fit. Vor Wochen hatten Yvonne und ich noch Zweifel, wie wir nach 90km Velo noch einen Halbmarathon hinlegen sollten, aber ich merke, dass es geht. An der ersten Station kippe ich eine warme Bouillon hinunter und die Lebensgeiser erwachen ganz. Im Nu habe ich die erste Runde geschafft, überhole tüchtig und in vollem Schwung geht es auf die zweite Runde. Bis zur Hälfte des Halbmarathon läuft es wie von selbst. Erst dann merke ich, dass ich schon lange unterwegs bin, nasse Kleider anhabe und das linke Knie beginnt zu zwicken. Bei der der Stampf Station hole ich mir deswegen aus dem breiten Verpflegungsmenu (Das hat es so eine Auswahl, man kann sich kaum entscheiden!) ein Koffein haltiges Gel. Oder dachte, dass ich das nehme, auf jeden Fall fühlt es sich beim Essen an, wie ein Grasfrosch und schmeckt auch so! Ich würge das glitschige Zeug hinunter, spüle mit Wasser ordentlich nach und weiter geht es. Haben die Leute hier unten nicht mitbekommen, dass es gerade drei Stunden geregnet hat? Auf jeden Fall hat es bei jeder Verpflegung Station drei bis vier Wasserduschen zum Abkühlen! Wer zum Geier läuft da jetzt freiwillig untendurch?! Ich habe die grösste Mühe daran vorbeizukommen und die Leute, die mir dabei zuschauen lachen. Nicht, dass meine Kleider trocken wären, sie sind immer noch klatschnass, aber ich will sicher nicht nochmals in den Regen kommen, künstlich oder natürlich. Das Koffein tut die erwartete Wirkung und Miri hat wieder Pfupf für die letzte Runde.

Letzte Runde

Ein kurzer Blick in die Abzweigung, die ich beim nächsten Mal nehmen kann, der rote Teppich ist nahe! Ich heule jetzt schon fast, wenn ich daran denke. Aber es ist und bleibt ein Ironman: Man muss sich das verdienen, wie es so schön auf dem Schild bei Kilometer 15 steht: It’s not going to be easy! Auch bei mir nicht. Das Knie zwickt und zwickt und dann beginnt es weh zu tun. Nochmals eine warme Brühe (die inzwischen kalt ist), nochmals ein Grasfrosch Gel, ein Power Riegel, an dem ich fast ersticke. Aber nichts will so recht nützen, jetzt ist die Energie definitiv aufgebraucht. Ich habe Seitenstechen und irgendwie ist mein Magen auch nicht mehr so glücklich, zu viel komisches Zeug habe ich in den letzten 6 Stunden gegessen. Aber ich will auf diesen roten Teppich und ich will unbedingt gut aussehen, wenn ich da drüber laufe! Von mir gibt es schon genug peinliche Läuferfotos, dieses hier muss gut aussehen, teuer genug war es. (Hat Daniela Ryff wohl auch solche Gedanken, oder wie macht sie das jeweils so?) Ein dritter Grasfrosch und ein wenig gehen, damit ich laufend ins Ziel kann.

Im Ziel

Dann geht es um die letzte Kurve, ich zähle die Meter buchstäblich hinunter, die Abzweigung winkt, ich höre, wie mein Zieleinlauf angekündigt wird, irgendwo in mir drin wird das letzte Energiebüschel hervorgezaubert und ich begebe mich auf die letzten Meter, von denen Yvonne und ich nun so lange geträumt haben. Hinter dem Ziel winkt Thomas, ich winke auch, merke, wie mir vor Erleichterung die Tränen hochkriechen. Und so laufe ich ins Ziel, direkt in die Arme von Thomas, der froh ist, dass seine Frau auf der Radstrecke nicht erfroren ist. Es ist geschafft! Ich kriege eine dieser raschelnden Wärmedecken und habe endlich wieder warm, jemand hängt mir eine Medaille über und dann gehe ich auf die Suche nach der Person, mit der ich über ein Jahr trainiert und diesen Moment in allen Farben vorgestellt habe. Sie steht direkt hinter der Absperrung nach dem Zieleinlauf. Yvonne und ich fallen uns in die Arme und geniessen den Moment. Endlich, endlich, endlich….. Können wir mit dem Rucksack angeben! 

Die Wärmedecke gibt mir zwar warm, aber ich stelle auch fest, dass ich klatschnass bin und stinke. Und so begebe ich mich zur Umkleide, um meine Streetbag zu holen. Auf dem Handy sind mehrere WhatsApp Nachrichten, unter anderem von meinem Cousin in Kanada, der extra früh aufgestanden ist, um mitzufiebern. Er freut sich mit mir.  

Zusammenpacken

Dann geht es zu dritt zurück zur Wechselzone, wir holen unsere Velos und die Säcke mit dem nassen Zeugs drin und machen uns auf den Heimweg. Kurz hinter dem Check-Out warten Yvonnes Ehemann und der Sohn. Der Stolz über die fitte Mama und Ehefrau ist beiden übers Gesicht geschrieben. Ich bin fast ein wenig neidisch, meine Söhne haben gestern nur gefragt, wann wir endlich gehen – wahrscheinlich haben sie eine Party geplant. Der Ehemann nimmt der Frau die Säcke ab, der Sohn übernimmt das Velo. Da dieser fast zwei Meter hoch ist, sieht es aus, als würde er ein Velöli mit Stützrädli fahren, es sieht lustig aus. Aber beide haben die Mama/Frau immer im Blick, besorgt, ob sie nicht gleich umfällt – stolz, weil sie es nicht tut.  

Müde geht es zum Auto, dort gibt es nochmals ein Schlussfoto, Yvonne findet einen Sack Chips, davon wird noch eine Handvoll in den Mund gestopft und dann geht es nach Hause. Nudeln essen, schlafen, die Beine hochlagern oder einfach mal trockene Kleider anziehen und warm haben. Den Triumph geniessen, den Moment auf dem roten Teppich nochmals durchleben, froh sein, dass es vorbei ist, sich vornehmen, nie wieder so etwas zu machen. Wer weiss. Irgendwie würde es mich noch reizen, einmal im Meer zu schwimmen, das habe ich noch nie gemacht…Noosa oder so, gibt es dort nicht auch einen Ironman?…Dort ist es warm, aber es hat Quallen und Haie…. Das wäre doch mal was! In einem LSV Bericht sind noch nie Quallen und Haie vorgekommen. 

Bericht: Miriam Widmer

Bericht vom Lauf-Cup Speicher 2020

Wann hatten wir das zum letzten Mal? Dieses tolle Gefühl, diesen heissen Kopf, müde Beine, einen Mordshunger und den Stolz, wieder einmal etwas geleistet zu haben? Der beste Ehemann datiert dies auf Januar 2020 zurück. Da ist er das letzte Mal an einem Wettkampf gewesen, danach war er verletzt und danach kam, wir wissen es alle – Corona!

Es ist wirklich lange her, seit man an einem offiziellen Wettkampf wieder mehrere LSV T-Shirts sichtet, sich gratuliert – mit 1.5m Abstand wohlweislich- und zusammen eine Schorle trinkt. Und eben, danach kommt das heisse Gesicht, die Nudeln und das wohlverdiente Mittagsschläfchen.

Der Winterlaufcup ist dieses Jahr Corona bedingt auch etwas anders. Zum Beispiel fehlt das Kuchenbuffet. Schade, aber wohl besser für die sowieso in Mitleidenschaft gezogene Läuferfigur, findet auch die Kollegin. Auch die Handicap Läufe gibt es dieses Jahr nicht. Jeder kann kommen und gehen, wann er will, mehr oder weniger. Mit einer sehr komplizierten Rechnung muss man herausfinden, wann man so etwa im Ziel sein wird um sich auszubadgen. Das Gerät ist nämlich nicht den ganzen Tag in Betrieb. Das heisst, man nimmt die Laufzeit vom letzten Jahr, rechnet die Corona Pfunde dazu und zack – hat man die ungefähre Zeit, wann man im Ziel eintreffen wird.

Die Strecke in Speicher ist wunderschön, auch wenn die Sonne nicht so recht raus will. Es geht hinauf zum Schnuggenbock, immer wieder mal ein Appenzeller Hügel hoch, aber nicht allzu schlimm, durch Wald und Feld, stetig aufwärts und dann wieder über die Waldegg hinunter zum Ziel. Jeder geniesst es, so viele altbekannte Gesichter sind unterwegs und im Ziel anzutreffen. Es ist schön, wieder einmal gemeinsam an einen Lauf zu gehen, zu vergleichen und sich wieder einmal etwas vorzunehmen. (Zum Beispiel wieder etwas disziplinierter zu trainieren, weniger zu snacken und beim nächsten Mal den Badge und die Nummer mitnehmen!)

Das Kuchenbüffet fehlt, auf dem letzten Kilometer wird man nicht vom Stähli überholt und Bossis Spezialtee fehlt auch. Aber ich bin mir sicher, alles kommt gut. Jetzt müssen wir halt noch ein wenig auf die Zähne beissen, hoffen dass das Gstürm (gell Simonetta) aufhört und nächstes Jahr beissen wir dann wieder genüsslich zumsammen in einen Gnusszipfel…äh…Nussgipfel.

Teilgenommen haben so viele LSV-ler, dass es sich lohnt wieder mal eine Tabelle aufzubauen.

RangKNameVornameLaufzeitMin/kmRkst
106WAltorferChristine00:54:534:5713:18
133WFrefelMonika00:55:565:0214:21
152MWidmerThomas00:56:485:0715:13
176MPortnerAndreas00:58:065:1416:31
207WHutterYvonne01:00:035:2518:28
262MBosshardPeter01:02:445:3921:09
226MKrähenbühlUrs01:00:545:2919:19
241WWidmerMiriam01:01:425:3420:07
351MLippunerChristoph01:08:356:1127:00
460MMüllerPeter01:17:437:0036:08

Normalerweise werden nur Personen auf der offiziellen Rangliste erwähnt. Aber da Eveline Bachmann schon oben kurz versteckt erwähnt wurde, kann doch noch darauf hingewiesen werden, dass sie die Strecke in guten 1:11:31 absolviert hatte. Das Problem war nur, dass als Thomas im Auto auf der Höhe von Wil das Auspacken seines Lauf-Cup Briefes mit „Ich habe die Nummer 180“ kommentierte, vom Vordersitz der Ausruf kam: „Oooohh!!!“

Bericht: Miram Widmer, Fotos: Peter Altorfer

Zwei Mal Uster

Manchmal ist es gut, wenn man eine vergessliche Schussel ist und vergisst, den Triathlon Corona bedingt auf nächstes Jahr zu verschieben. So kommt nach der Enttäuschung, dass der Ironman Rapperswil-Jona nun nicht stattfindet, ein Mail reingeflattert: „Wir freuen uns, dass du am diesjährigen Uster Triathlon teilnimmst!“ Was, habe ich mich nicht abgemeldet? Trotz Corona noch einen Triathlon – in einem See – mit dem neuen, coolen Velo? Juhui!

So wird das Velo am Vorabend gepumpt, geputzt, gestreichelt und liebevoll im Auto verladen, damit alles startklar ist. Und am Sonntag, den 13. September steht eine schlotternde Person mit coolem Velo bei der Seebadi in Uster und wartet darauf, in die Wechselzone einzuchecken. Alles ist anders dieses Jahr, wie so vieles. Die Athletinnen und Athleten tragen Masken auf dem Wettkampfgelände. Es sind „nur“ 800 Personen, die am Triathlon teilnehmen können. Zuerst gehen die Männer in die Wechselzone und erst als diese die Zone verlassen und zum Schwimmstart marschieren – immer noch mit Maske – dürfen die Frauen in die Wechselzone einchecken. Aber eigentlich ist so ein Triathlon recht Corona tauglich, es funktioniert tadellos. Stolz wird das Velo bei der Nummer 533 parkiert und endlich – jemand bemerkt das Schmuckstück: „Schönes Velo!“ meint die Nachbarin. Ja, schön gell. Neu! Extra gewünscht für den Ironman, weisst du. Und heute wird es endlich im Wettkampf getestet.

Vorerst gibt es andere Probleme zu bewältigen. Wie geht das schon wieder mit dem Einrichten der Wechselzone? Es ist zu lange her, dies ist der erste und einzige Triathlon in diesem eigenartigen Sommer. Wohin mit dem Helm? Habe ich jetzt jeweils die Socken in die Schuhe reingetan? Zum Glück habe ich noch an die Schwimmbrille gedacht, die wäre fast zu Hause geblieben. Ui, die Startnummer sollte ich ja auch noch irgendwo hintun, irgendwie wills nicht so richtig, die Übung fehlt und dann ist da plötzlich noch diese drahtige Person ein paar Startplätze weiter vorne, die zusätzlich ablenkt.

Ist das nicht Nicola Spirig? Die Olympiasiegerin 2012? Kann das sein, dass diese Profiathletin dort so unspektakulär im Rucksack nuschet und was sucht? Mit Handy ausgerüstet schleichen sich ein paar Damen an. Doch, es ist sie! Wie ein Teenager, mit roten Ohren versucht man sein Glück. „Ähm…du…ich bin…dings…your biggest fan! Darf ich…dings..“. Wink mit dem Handy. Nicola ist ein Profi, schiebt die Maske beiseite und lacht. Klar, Selfie Smile und das Foto ist im Kasten. Dann wendet sie sich wieder ihrer Schwimmbrille zu, sprüht sie ein.

Stimmt, dass sollte man vielleicht selber auch noch machen, sonst läuft die Brille an und dann sieht man gar nichts mehr, zumal auf dem Greifensee ein Nebeldunst liegt und die Sicht eh schon schlecht ist. Zuerst noch das Foto mit Nicola auf den Familienchat laden, dann geht es zurück zum Geschäft. Die Sache mit dem Neopren! Der Corona-Speck! Irgendwie will der Anzug nicht hoch, steckt jämmerlich an den Knien fest und mit lautem Klagen versucht man sich in das Teil zu quetschen. Links und rechts dasselbe, alle haben wohl etwas mehr gegessen und etwas weniger trainiert. Hoffentlich lohnt sich der Aufwand und hoffentlich kommt man nach dem Schwimmen wieder raus aus dem Teil!

Endlich geht es zum Start. Mit Maske, mit 1.5m Abstand. Nicola wird von zwei Referees an der Masse vorbeigeführt und startet als erstes. Ihr Neopren ist noch offen, kriegt sie ihn wohl auch nicht zu? Wohl kaum. Läck, kann die schwimmen! Neidisch schauen wir Hobby Triathletinnen Nicola nach, die wie ein Raddampfer auf die erste Boje zu schwimmt! Wahnsinn!

Und dann ist man selber dran, Sprung in den See, wie Nicola geht es los, oder so fühlt es sich an nach so langer Zeit. Herrlich mit so vielen anderen Sportlerinnen im See zu schwimmen, einfach grossartig. Auch wenn das Tempo nach etwas 300m etwas reduziert werden muss. Viel zu schnell ist der Schwumm vorbei, zwei Helfer helfen aus dem Wasser, im Eiltempo geht es durch die Wechselzone, der Neopren landet- pflatsch -im Gras neben dem Velo, Helm auf, Brille auf, Schuhe an und mit dem Velo geht es auf die Rennstrecke. Einfach geil! Man kann es nicht anders sagen. Herrlich der Ton, der das neue Velo macht, wenn es so windschnittig über den Asphalt rast! Man kriegt nie genug! Schön unten bleiben

in den Aerobars, sogar um die Kurven! Und was man da alles überholen kann! Schaut alle her, das ist mein neues Velo! Leider ist der Spass nach 40 km schon vorbei. Und während man sich selber für das Laufen bereit macht, rennt Nicola schon ins Ziel! Also, los! Laufschuhe an, Frisur richten, Kappe auf und los geht’s. You rock it! Oder doch nicht. Nach zwei Kilometern die erste Krise. Der Puls ist viel zu hoch, Durst, schmerzende Beine. Die Strecke kommt einem vor wie ein Berglauf, so steil ist das! Nebendran geht ein Mann, auch im Spazierschritt. „Corona Speck!“ murmelt er. Ja, ich weiss, bei mir auch. Und das Ganze dauert zwei Runden! Immer wieder wird mal ein Päusli eingelegt, ein wenig im Laufschritt, ein wenig joggen. Völlig unprofessionell, aber keiner schämt sich, es ist der einzige Triathlon, was solls. Nach einer gefühlten Ewigkeit winkt jedoch das Ziel, endlich. Stoppuhr drücken, Schluss, Amen – Maske auf! Die Brille läuft an und jedes Mal, wenn man einen Schluck Cola nehmen will, stört diese doofe Maske. Scheiss Corona, echt! Hat uns das nicht schon genug verdorben? Aber die vom Uster Triathlon, die sind super! Das dies noch möglich war in diesem Sommer, ein so toller und grosser Triathlon durchzuführen! Danke, danke, danke! Trotz dem anstrengenden Lauf, es hat sich so gelohnt. Schon wegen dem Velo, und dem Selfie! Zufrieden schiebt man das Velo wieder aus der Wechselzone. „Du, wollte es dir schon vorhin sagen“, meint eine Kollegin. Jaja, ich weiss, mein Velo! Verlegenes Lächeln. „Nein, schöne Schuhe!“ meint sie. Zufriedene Athletinnen und Athleten ziehen langsam mit ihrem Velo, dem Rucksack und dem Preissäckli von dannen. Wir dürfen nicht lange auf dem Festgelände bleiben. Zuschauer sind gar nicht erlaubt gewesen. Es ist wirklich alles etwas komisch. Und doch war es halt schön, noch so ein Triathlon in diesem Jahr.

„Was für ein Velo hatte eigentlich Nicola Spirig?“ will der beste Ehemann am Abend wissen. Verlegens Schweigen. „Ein schwarzes, glaube ich.“

Greifenseelauf

Weil die Schlappe vom Lauf am Uster Triathlon noch gut gemacht werden musste, ging es am Donnerstagabend den 17. September gleich nochmals zur Seebadi in Uster. Der diesjährige Greifeseelauf ist auch Corona bedingt etwas anders als in anderen Jahren. Gestartet wird über mehrere Tage, man konnte sich dafür eigens einen Slot buchen. So schön der Lauf um den See auch ist, den Laufanlass habe ich immer mehr gemieden, weil es so ein Rummel war. Der diesjährige Lauf ist jedoch ganz nach meinem Geschmack. Keine Parkplatz Probleme, kein langes Anstehen, und nach einem anstrengenden Tag in der Schule mit lauten, vorpubertierenden Jungs und Mädels geht es an einem herrlichen Spätsommerabend auf eine fast einsame Laufrunde um den Gryfi. Weil es eben nicht so viele Läuferinnen und Läufer hat, führt die Strecke alles den Naturwegen gleich am See entlang. Hin und wieder trifft man einen Mitstreiter, eine Mitstreiterin, man kann mal überholen, man wird vielleicht überholt. Aber alles im Rahmen, alles sehr friedlich und dennoch ein wenig Wettkampf Gefühl. Genau die richtige Mischung, um Gas zu geben und doch zu geniessen. 17.8 km ist die Strecke, bei Kilometer 14 geht langsam die Sonne hinter dem Pfannenstiel unter, taucht den Greifensee in ein wunderschönes Abendlicht. Fast wäre ich noch angehalten, um zu staunen, aber eben, die Uster Triathlon Schlappe noch im Nacken, dieses Mal wird nicht angehalten und auch nicht spaziert. So gebe ich tapfer Gas bis zum Ziel und erreiche es mit einer Zeit von 1.37. Not to shabby for me. Schliesslich trage ich einiges an Gewicht mehr mit als in früheren Jahren und das motivierte Training hat nach der Absage des Ironmans auch etwas nachgelassen.

Zwei Mal Uster in diesem Jahr. Zwei Startnummern mehr, die ich in meine Box legen kann. Immerhin. Den Veranstaltern danke für die Kreativität, den Mut, die Arbeit. Es war schön, einfach schön!

Beim Überprüfen der Rangliste stelle ich fest, dass auch Ruth und Christoph am Greifenseelauf teilgenommen haben

Bericht von der LSV GV 2020

Am 18. Februar trafen sich die Mitglieder des LSV zur 28. GV. Dieses Jahr gingen die etwas trocken, aber notwendigen Traktanden zügig voran, der sportliche Jahresbericht wurde nämlich bereits im Voraus auf der Homepage veröffentlicht. So blieb genug Zeit den langjährigen Kassier Roli Wäny gebührend zu verabschieden. Nach 22 Jahren tritt Sabine Kunz neu an seine Stelle. Weiter wurde Heinz Hubmann als Vizepräsident verabschiedet. Nach 8 Jahren befand er, dass der Vorstand neuen Wind brauche. Für besondere Aufgaben, wie zum Beispiel die Ehrung der Damenmeisterschaft stellte er sich dennoch weiterhin zur Verfügung. (Dafür sind ihm die Damen natürlich sehr dankbar!) An seine Stelle tritt nun Ruth Goldinger. Beiden, Roli und Heinz, danken wir herzliche für ihre treue Arbeit. Herzlichen Dank auch an Sabine und Ruth, die von nun an im Vorstand mitwirken. Neu im Vorstand ist ebenfalls Martin Sigg. Auch ihm ein herzliches Dankeschön.

Nach den Wahlen im Vorstand wurde das neue Jahresprogramm vorgestellt. Dieses tönt sehr vielversprechend. Neu findet zum Beispiel am 18. April der 1. Hubener Frühlingslauf statt. Ebenfalls neu in der Vereinsmeisterstaft ist der Herbstlauf am 24. Oktober in Wila. Ein besonderes Highlight in diesem Jahr ist die Kufstein Stafette. Der LSV ist von der Partnerstadt von Frauenfeld – Kufstein in Österreich – zum Kaiserfest am 27. Juni 2020 eingeladen. Den Weg dorthin werden die LSV Mitglieder in 15 Etappen auf dem Velo und in Laufschuhen bewältigen. Mehr Infos dazu findet man auf der Homepage des LSV Frauenfeld. Wir freuen uns alles auf diesen speziellen Event.

Nach dem Nachtessen wurden zuerst die Anerkennungspreise für die vielen Helferinnen und Helfer verteilt, ohne die der Verein nicht bestehen kann. Und schlussendlich wurden die Siegerinnen und Sieger der Vereinsmeisterschaft geehrt und die Jahresmeisterin und der Jahresmeister gekürt. Dies waren in diesem Jahr Nicole Lohri bei den Damen und Philipp Früh bei den Herren. Neben den Schnellsten erhielten aber auch alle treuen Läuferinnen und Läufer einen Preis: wer mindestens sechs Läufe der Meisterschaft absolviert hat, erhielt einen reichhaltigen Früchtekorb in dem man jedoch auch andere Goodies vorfand, wie zum Beispiel eine Ovo Schoogi, die dem LSV Jüngling ein ganz besonderes Anliegen war. Aber auch Snikers und Mars Riegel und ein Kartonruggel voller Pringels war in den gesunden Früchtekörben versteckt. Diese darf man als Läuferin und Läufer mit gutem Gewissen essen, wir haben einiges geleistet dieses Jahr und sonst wohnen in den Haushalten rund um Frauenfeld immer noch genug gefrässige Teenager, die den Läufereltern gerne zu Hilfe eilen.

Auch bei der Plausch Meisterschaft wurden Preise vergeben. Nebst dem Plausch wurde auch um den 1. Preis, einer grossen Toblerone, gekämpft. Diese ging gleich an den Organisator Erich Gentsch. Auch ihm Gratulation und ein Dankschön für das Organsieiren.

Nun freuen wir uns alle auf das kommende LSV Jahr mit vielen spannenden Läufen, Triathlons und Stafetten. Auf ein Neues!

mw

ZüriLaufCup-Feier 2019

Am letzten Freitag den 22. November fand im Zürcher Restaurant Lake Side die Abschlussfeier des ZüriLaufCups 2019 statt. Es wurden die jeweils fünf bestplatzierten jeder Kategorie geehrt. Zwei Mitglied-erinnen unseres Vereins erreichten in ihren Kategorien die Podestplätze. Nicole Lohri bei den Frauen W40 und Vreni Neukom in der Kategorie Frauen W60 erreichten beide den dritten Rang. Herzliche Gratulation!

Bericht vom Frauenfelder 2019

Frauenfelder 2019 – Von Vernunft und Unvernunft der Läuferinnen und Läufer, der Bericht von Helden und anderen Verrückten

Es ist der Lauf der Helden, der Verrückten, das Highlight des Jahres, der krönende Abschluss der Saison, der Tag, dem die Mitglieder des LSV Frauenfeld schon lange entgegen gefiebert haben. Es wurde diszipliniert trainiert, gejammert, mit Bangen den Wetterbericht für den Sonntag den 17. November verfolgt, größere und kleinere Verletzungen und Bobolies wegmassiert, oder mit Übungen wegtrainiert. Alle wollen sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen und tun alles, was in ihren Möglichkeiten steht, damit dieser Lauf mit Bravour, Schmerzfrei und mit seiner Wunschzeit absolvieren kann – der Frauenfelder.

Auch dieses Jahr enthielt der Frauenfelder genau die Mischung, die ihn zu dem macht, was er eben ist: ein Jahresereignis, dass man durch nichts ersetzen kann. Für jeden ist was dabei, sei es ein Halbmarathon oder einen ganzen Marathon, in zivil oder im Gwändli. Und es gab Podestplätze, es gab Helden und Verrückte, Vernünftige und – wie könnte es auch anders sein – Unvernünftige. Es gab treue Seelen, die trotz des schlechten Wetters schon um zehn Uhr auf dem Marktplatz standen, nur um nachher nach Hause zu rennen, sich um zu ziehen, um selbst dann in Wil an den Start zu gehen. Es gab Läufergspänli, die nicht laufen konnten oder wollten und in dem nassen Wetter in Weingarten parat standen, trockene Kleider brachten und sogar ein Stück mitrannten, einfach nur um da zu sein. Sie reichten Wasser und Bouillon, sie feuerten die Läufer und Läuferinnen an, sie waren da, komme was wolle. Und noch andere stiegen wasserdicht verpackt aufs Velo und führten die Spitze an.

Schon Wochen, ja Monate vorher galt es Entscheide zu treffen, welche Distanz nun das Richtige für einen ist. Dann kommt das Trainieren im Team oder mit einem Partner oder einer Partnerin. Alles dreht sich um den Frauenfelder, auch der Alltag. Das Fettpolster muss bis zum 17. November noch weg, die Wettkämpfe werden sortiert, damit man an dem Sonntag optimal fit ist. Sollte man sich doch noch neue Schuhe leisten oder reut es einen dann nur, wenn sie im Schlamm unten bei Lommis durch den Dreck müssen? Jetzt ja nicht noch eine Verletzung holen, oder gar eine Erkältung, was in dem düsteren November ziemlich schwierig ist. Die einen holten sich Rat beim Arzt, als das Pech zuschlug, andere bei einer sicheren Instanz: den Mitläufern und Mitläuferinnen. (Diese sagen nämlich mit Garantie, dass man selbstverständlich mit Halsschmerzen, Pfnüsel und Husten gehen kann. „Da got schon no weg, isch ja nüt schlimms!“) Am Samstagabend waren somit alle Entscheide gefällt was die Kleidung (warm und wasserdicht) und das grüne Licht zum Start betrifft. Und los gings, auf den Frauenfelder.

Um zehn Uhr starteten die Waffenläuferinnen und Waffenläufer, vom LSV waren es deren drei. Christoph Lippuner, Andreas Portner und Martin Sigg wagten den Heldenlauf. Um halb elf folgte dann der Start des zivilen Marathons mit zwei LSV Mitgliedern, Ehepaar Widmer trat geschlossen an. (Wenigstens am Start, danach zog er ab!)  „Es ist Kopfsache heute in dem Wetter“, meinte ein Waffenläufer vor dem Start und damit hat er recht. Der Halbmarathon nach Wil, der ja eigentlich eine beträchtliche Strecke ist, ist an dem Tag ein Spaziergang. Nichts tut weh, man mag noch gut mithalten, es regnet nicht so fest und so werden die einen kurz vor Wil direkt übermütig und machen dumme Sprüche wie „jetzt hemmers denn jo, got nuno abe!“

Der Start des Halbmarathons erfolgt dann um halb eins, kurz bevor das letzte LSV Mitglied des Marathons in Wil eintrifft. Es reicht grad noch, um ein paar Kollegen und Kolleginnen anzufeuern. Und auch, um anzuhalten, als bei den Lastwagen des Gepäcks ein fleißiger Frauenfelder Primarschüler steht und seine Lehrerin entdeckt. Brav streckt er die Hand aus, begrüsst die Lehrerin auf Hochdeutsch und sein Kollege meint erstaunt: „Isch da e Lehrerin??! Sie renned doch au. Törfed sie denn eifach so aahalte?“ Ein Päusli läge schon drin und weil man man einer Lehrperson sowieso nicht widerspricht ruft der Schüler noch „Sie, bis morn!“ hintennach. Ja, das hofft die Lehrerin auch, es ist noch ein weiter Weg nach Frauenfeld.

Jetzt wird es harzig, für alle. Bei Bronschhofen schon das erste Mus, die vielen Waffenläuferinnen und Läufer haben alles schon tüchtig aufgeweicht und so schlipft man mehr, als das man rennt. Noch lange führt die Dreckspur auf der Teerstrasse bergab, der Regen lässt auch kaum nach und die Kleider werden nass und nässer. Ein langer Tazzelwurm zieht sich gleichmässig nach St. Margrethen, bewundernswert, dass sich kaum eine laufbegeisterte Person gegen den Frauenfelder entschieden hat. In Lommis wird es wie immer zäh, das Feldsträsschen ein einziges Mus und dann hat es erst noch tiefe Pfützen. Jeder Tritt wird zur Herausforderung. Wer zu den Gfrörlis gehört, und das sind sicher einige, spüren langsam die Kälte durch die durchnässten Kleider dringen. Die Energie sinkt und sinkt, ein Ende ist noch nicht in Sicht, jetzt gilt es durchzubeissen. Wie gut sind da die Fans und Gspänlis, die einem Mut machen. Für die Marathonläuferinnen und Läufer kommt nun der Punkt, wo es weh tut, spätestens bei Kilometer 35 ist er da. Die eigenartigsten Sachen schmerzen, zum Bespiel hinten reibt sich der Reisverschluss der Hosentasche und das seit mehr als 30 Kilometern, man ist sicher, dass sich der nun bis zu den Knochen durchgescheuert hat und einem das Blut nur so runterläuft. (Später beim Untersuchen unter der Dusche ist nicht einmal eine rote Stelle zu sehen). Die Sohlen verrutschen und müssen gerichtet werden, der Schuh ist zu eng gebunden und tut nun plötzlich unerträglich weh, von einer Sekunde auf die andere, das nasse T-Shirt reibt sich am kalten Bauch und brennt, im Darm rumpelte es Besorgniserregend und dann gibt es grössere Probleme, das Knie zwickt, die Hüfte schmerzt, irgendwo am Fuss macht sich eine Blase bemerkbar, die Bronchitis meldet sich zu Wort, die mahnenden Ratschläge des Arztes pochen, das Kopfschütteln der Nichtläufer taucht deutlich in den Gedankengängen auf.  Es ist jetzt einfach Zeit zum Aufhören! Aber es geht noch weiter, durch Steftturt, bei Matzigen durch den Wald und die schier unendlich lange Strecke hinauf zu den Kamelbuckeln. Au, au, au, au! Wenn da nicht die Leute wären, die einem zujubeln und man sich doch noch ein wenig gut fühlt, es hätten sich einige auf den Boden gesetzt und sich von Verwandten mit dem Auto abholen lassen. Aber für was hat man denn so trainiert, genau für diesen Zeitpunkt, der nach zwei oder vier Stunden dann erreicht ist: Das Ziel. Die Stopptaste auf der Uhr drücken und es ist vollbracht. Man ist ausgepumpt und abgekämpft, man wirft dem einen oder anderen Gspänli noch einen Blick zu, winkt müde, gratuliert aus der Ferne, dann aber geht es schnellstens unter die warme Dusche. Noch den Honig abholen, auch wenn es trotz gefrässiger Teenager zu Hause noch ein Gläser vom Vorjahr im Schrank hat. Der Honig muss sein! Und dann wird man von wildfremden Leuten frech belächelt, wenn man kaum mehr die Treppe hochkommt, um zum Auto zu gelangen.

Der LSV Frauenfeld hat aber wieder Grossartiges geleistet! Insgesamt haben 25 LSVler in den diversen Kategorien teilgenommen – bei Halbmarathon deshalb hier nur die Top-10 Resultate: Nicole Lohri rennt in ihrer Kategorie auf den 2. Platz mit einer Zeit von 1:24.47. Auch Christine Altorfer erreicht in der Kategorie D50 mit einer Zeit von 1:31.23 den 2. Platz. Heidi Scheuch gelang in der Kategorie D60 unter die ersten zehn, und zwar wird sie gute siebte. Der Jungbrunnen des LSV Frauenfeld Andrin Jacomet läuft bei den Junioren zusammen mit seiner Bronchitis auf den 5. Platz mit einer Zeit von 1:21,14. Auch Sämi Schmid erreicht in der Kategorie M60 einen guten 5. Rang mit einer Zeit von 1:34.41. Urs Krähenbühl erreicht den 10. Platz in der gleichen Kategorie mit einer Zeit von 1:38.00. Wer sagt dann, dass sich das harte Training im LSV nicht gelohnt hat bei den Rängen!

Die Waffenläufer erreichten ebenfalls gute Plätze. Christoph Lippuner wurde in der Kategorie M50 14. und das mit einer Zeit von 4:04.25, in derselben Kategorie wurde Andres Portner 24. mit einer Zeit von 4:25.25 und in der Kategorie M40 wurde Martin Sigg 36. mit einer Zeit von 4:33.39.

Auch die beiden zivilen Marathönler waren am Ende zufrieden mit ihrem Resultat. Thomas Widmer wurde 15. in der Kategorie M40 und hat dieses Mal endlich nicht mehr so gelitten wie in den letzten beiden Malen als unerfahrener Läufer und seine Frau konnte dieses Mal auch (fast) schmerzfrei ins Ziel, weil die Vernunft nach 40 doch hin und wieder die Unvernunft übertrifft. Und wie gut war die Erkältung schon vorher da, sonst könnten die Nichtläufer danach noch sagen, sie hätte sich wegen des Marathons so schrecklich erkältet.

Und somit neigte sich der diesjährige Frauenfelder dem Ende zu. Honig und andere Preise, Verletzungen und Blasen wurden nach Hause getragen, das Raclette Öfeli eingeheizt, Garmin Apps konsultiert, gratuliert, Pizzas verspiesen, gefeiert und gelacht. Es ist vollbracht und bereits plant man ein wenig den nächsten Frauenfelder. Welche Zeit sollte es wohl das nächste Mal sein?

mw

Bericht vom Herderner Lauf 2019

Wieder viele Podestplätze für den LSV in Herdern

Bei strahlend schönem Herbstwetter fand am Samstag, den 21. September wieder der Herdern Lauf statt. Fünfzehn Mitglieder des LSV Frauenfeld waren mit dabei, zwei davon richtige Heldinnen und Helden, denn sie starteten im Gwändli und mit Packung.

Herdern liegt ja praktisch um die Ecke und so kamen die meisten sogar mit dem Velo angereist, tapfer und ökologisch, dann ist man schon eingelaufen und nach dem Lauf kann man beim Velofahren gleich noch ein wenig die Beine „ausschütteln“.

Los geht’s

Um halb zwei starteten die Waffenläuferinnen und Waffenläufer. Vom LSV Frauenfeld waren das Monika Frefel und Christoph Lippuner. Gleich fünfzehn Minuten später folgte der Start des Volkslaufes. Dieser war dieses Jahr etwas kürzer, es waren nur zehn Kilometer, während die Waffenläuferinnen und Waffenläufer ihre Packung über eine Distanz von 13,8 Kilometern tragen mussten. Beeindruckend ist es schon, was sie da auf dem Rücken tragen, denkt man jedes Mal, wenn man eine oder einen davon so leichtfüssig überholt, schwitzt wie ein Tier in der warmen Herbstsonne und die kämpfen sich im Anzug und einem Rucksack über die staubigen Feldwege und Strässchen. Kein Wunder fällt da hin und wieder ein witziger oder giftiger Kommentar, wenn man an einem Grüppchen Rekrutenschüler vorbeirennt. Was denken die wohl? So ganz freiwillig sind nicht alle mit dabei und da sind wir, die vom LSV, und rennen völlig freiwillig die zehn Kilometer ab, verschwitzt, vielleicht auf dem Zahnfleisch und dann zahlen wir auch noch dafür. „So Manne, alles rechts laufe, vorwärts marsch, do chunt e Schnelli!“ hiess es frech und Gelächter folgte. Immerhin hiess es „e Schnelli“ und nicht „en Schnegg“ oder „eine Alte langsame“.

Im Ziel

Die zehn Kilometer waren schnell geschafft, bei dem schönen Laufwetter und der abwechslungsreichen Strecke mit den fröhlichen und witzigen Rekrutenschülern! Der LSV Frauenfeld hat tüchtig abgesahnt. Beim zivilen Volkslauf gab es gleich fünf Podestplätze. Bei den Damen W40 rannte Miriam Widmer mit einer Zeit von 48:44,7 auf den 1. Platz, bei den Damen W50 waren es gar zwei schnelle Frauen. Christine Altorfer auf dem 1. Platz mit einer Zeit von 45:26,9 und Sandra Stäubli auf dem 2. Platz mit einer Zeit von 46:44,4. Und bei den Damen W60 erreichte Heidi Scheuch den 2. Platz mit einer Zeit von 1:04:38,3. Bei den Herren M60 erreichte Sämi Schmied mit einer Zeit von 47:01,2 den 3. Platz. Von den vierzehn Damen, die den Waffenlauf bestritten, erreichte unsere Heldin Monika Frefel den guten 5. Platz! (Die Packung ist wirklich wahnsinnig schwer!) und Christoph Lippuner wurde 15ter und das mit einer Zeit von 1:15:56,8 und einer Konkurrenz von 28 anderen Waffenläufern seiner Kategorie. Und wir nehmen mal an, dass unsere Waffenläuferinnen und Waffenläufer nicht plaudernd und lachend die 13.8 km bestritten haben.

Dann ging es für die Herren unter die Dusche und die Damen zogen im Englischzimmer des Schulhauses etwas Trockenes an. Oder man sauste rasch mit dem Velo heim unter die Dusche und fuhr ganz unökologisch mit dem Auto zurück, um sich den Preis abzuholen. Und Preise gab es dieses Jahr wieder ganz schöne. Nüdeli, damit man auch über den Winter gut mit Bschüssig Teigwaren eingedeckt ist und Goodies aus dem Schlossladen. Ein feiner Käse, gebrannte Nüsse und einen Sirup. In der Festwirtschaft wurde man ausserdem verpflegt mit allem, was das Herz begehrt und die glücklichen Rekrutenschüler, die so gemütlich den Lauf abgewandert haben, schaufelten Risotto rein und klatschten solidarisch, wenn die schnellen Läuferinnen und Läufer auf das sehr hohe Podest hinaufkletterten, um sich würdigen zu lassen. Schön wars!

mw

Bericht vom Knorr Läufercup Thayingen 2019

Im Thurgau beginnen die Sommerferien, Zeit für den Knorlilauf. Alles ist so, wie es sein sollte: Es ist heiss, etwa 30 Grad, die Mücken und anderes „Gefleuch“ sind auch oberhalb Thaygen vor Ort, sowie die motivierten Läuferinnen und Läufer des LSV Frauenfeld. Und motiviert sind sie, auch wenn Einiges an Sprüchen wie „I glaub, i löse de Guetschii für mini Wurscht jetzt i und gang nocher biz go renne“ oder „I wett i wär scho wieder im Ziel“ fallen. Wären sie nicht motiviert, dann wären sie nicht nach Thaygen gefahren – nämlich. Und die Sprüche, die gehören einfach dazu, sonst hätten man ja nachher im Bericht nichts zu berichten. (Ein Bericht beginnt übrigens mit dem Wichtigsten, beschreibt in erster Linie den Handlungsverlauf und informiert die Leser und Leserinnen über Fakten und Merkmale. Dies als Information, damit auch Kantonsschülerinnen und Kantonsschüler, die im LSV trainieren einmal einen Bericht schreiben wollen oder… naja… müssen.
Nimmt man es also genau, dann wurde in diesem Bericht nicht unbedingt zuerst über das Wichtigste informiert- deswegen nochmals von vorne:)

Die Mitglieder des LSV Frauenfeld nahmen auch dieses Jahr am 42. Knorr Läufercup am 5. Juli 2019 in Thayngen teil. Der Start befindet sich oberhalb von Thaygen mitten im Naturschutzgebiet, dass jedes Jahr von unzähligen Mücken heimgesucht wird. (Und grünen Riesenheuschrecken, die bei der Rangverkündigung einem Mitglied an der Wade nagen und dieses zu Tode erschrecken – aber das gehört nicht hierher, wir schreiben ja einen Bericht und das ist noch nicht so wichtig!)

Nach einem disziplinierten Einlaufen und dem obligaten Bisistop im Gebüsch geht es zum Start. Knorli ist auch mit dabei. Die Läuferinnen und Läufer schwitzen schon was das Zeug hält und der arme Knorrli in seinem gepolsterten Anzug macht wohl Einiges durch, auf jeden Fall hat er unter den Achseln Schweissflecken, die ihm bis hinunter zu der Kniekehle reichen! (Ja, das ist wichtig, schliesslich muss man den Knorrli würdigen). Der Startschuss fällt pünktlich und los geht es auf die 9,2 km lange Laufstrecke, die zum Glück oft durch den Wald und wunderschönen Wald- und Feldwegen entlangführt. In der Kategorie Damen 1 des LSV ist es endlich klar, dass ein neuer Wind weht. Der Jungbrunnen hängt nach 4 km endlich die alte Schachtel ab und ergattert sich die 1000 Punkte – wohlverdient und brillant! Bravo. Aber nicht nur in dieser Kategorie wird mit Podestplätzen jongliert. Der LSV Frauenfeld räumt an diesem Knorrlilauf tüchtig ab.

Andrin Jacomet läuft bei den Junioren mit einer Zeit von 0:36:25 auf den 1. Platz (und möchte deswegen nächsten Mal unbedingt auch einen Bericht schreiben). Bei den Herren 2 erreicht Philipp Früh den 2. Platz und das mit einer Zeit von 0:34:41. Peter Bader landet in der Kategorie Herren 3 mit einer Zeit von 0:36:26 auch auf dem 2. Platz. Bei den Damen wird es nun richtig spannend: Martina Züricher rennt mit einer Zeit von 0:44:24 auf den 2. Platz in der Kategorie Damen 1, Nicole Lohri erreicht in der Kategorie Damen 2 gar den 1. Platz und das mit einer Zeit von 0:37:57.
Und in der Kategorie Damen 3 stehen auf dem Podest nur LSV Mitglieder! Auf dem 1. Platz Christine Altorfer (0:41:58) auf dem 2. Platz Sandra Stäubli (0:43:46) und auf dem 3. Platz Monika Frefel (0:44:32).  In der Mannschaftswertung wurde der LSV Frauenfeld Zweiter und Philipp Früh, Nicole Lohri, Thomas Widmer, Marco Wick und Christoph Lippuner durften mit einem Sack voller Unilever Goodies nach Hause gehen. Was für ein Erfolgreicher Lauf! Auch noch erwähnenswert sind die Pokale, die dieses Jahr wieder ganz toll aussehen, im Vergleich zum letzten Jahr, bei denen sie wohl ausgemusterten Fussballpokalen glichen.

Und weil es sich hier um einen Bericht handelt, und die Journalistin einen Hang zu Zynismus hat: Es darf auch erwähnt werden, dass die immer gleiche Person, nun schon zum vierten Mal in der Kategorie Damen 2 auf dem 4. Platz gelandet ist, sie schafft es einfach nicht, mit oder ohne Wechselzone.

Alles in allem aber ein sehr gelungener Lauf, viele oder eigentlich nur zufriedene Gesichter und abgeschlossen wurde das ganze mit einem feinen Nachtessen im Restaurant Bahnhof in Schlatt.

Ja, so schreibt man einen Bericht. Über die Reihenfolge der Wichtigkeit lässt sich streiten, aber nicht darüber, dass die Einleitung mit dem Schluss verlinkt ist und deswegen in sich kohärent und abgerundet ist. Schriftstellerische Eigenheiten sind immer erlaubt und das macht das Berichterstatten im LSV ja so aufregend. Na, gluschtig geworden?